Reflexionen

Fotografie hat sich zu einem Tsunami entwickelt. Jeden Tag werden Millionen Bilder im Netz veröffentlicht, es gibt Fotocommunities, die das auch noch befeuern. Facebook und Twitter oder Flickr leben sogar ganz gut von der großen Bilderflut.

Es gibt Fotografen, die surfen ganz oben auf dem Tsunami. Einer dieser Super-Surfer hat sich im Netz damit gebrüstet, dass er in einem Jahr eine Million Dollar eingenommen hat. Das ist viel Geld für etwas, dass nur in Teilen echt ist. Einer, der weltweit Kalender verkauft, gibt das sogar zu.


©Marc Adamus (the other side)

Wer solche Bilder sieht, will auch solche Bilder machen oder fragt sich, warum andere die Bilder machen, die er eigentlich machen wollte.

Der Alltag ist trister.

Jeder Fotograf steht vor den gleichen Herausforderungen. Für jeden Fotografen gelten die gleichen physikalischen Voraussetzungen.

Wer die Mühe auf sich nimmt und tagelang durch ein Gebirge geht, um das eine Motiv zu finden, will das eine Bild von seinem inneren Auge sichtbar machen. Was aber, wenn das Licht nicht passt? Und hier gilt bei vielen Fotografen: Was nicht passt, wird passend gemacht.

Das passend gemachte Bild wird in irgendeiner dieser zahlreichen Foto-Communities veröffentlicht, bekommt viele Likes und „wow“-Kommentare und wird sogar ein paar Mal verkauft. Die Passendmacher suchen sich meist Gemeinschaften oder Bilder-Agenturen,wo sie viele Verkäufe haben.

 

Foto-Communities

Es ist vor allem für Anfänger in der Fotografie wichtig, sich Gleichgesinnte zu suchen. Im Netz gibt es dafür sehr viele Anlaufstellen. Ganz gut angenommen werden die Seiten, die mit „Fotografieren lernen“ oder „Hilfe von Experten“ werben. Kostenlos ist dabei nur die Registrierung.

Die Realität passt, wie so oft, nicht mit den Versprechen überein.

Anfänger haben meist eine „Crop-Kamera“ mit Standardobjektiv. Das ist eine Spiegelreflexkamera, die kein Vollformat hat, und das Standardobjektiv-Supermakrozoom passt gut dazu. Schnäppchen im Elektronikmarkt.

Kostenlos bei einer Fotografieren-lernen-Community angemeldet, erstes Bild hochgeladen. Mit etwas Glück gibt es sogar einen Kommentar dazu, der nicht weiter wichtig ist. Nur eines: Wenn dort etwas in der Art steht wie „gutes Bild“, ist das gelogen. In Fotografieren-lernen-Communities wird oft gelogen. Das hat den Grund, weil der Lügenlober selbst viele Lügen-Kommentare oder viele Likes oder Empfehlungen bekommen will. Manche Communities funktionieren nur so.

Der Anfänger fühlt sich aber in der Regel geschmeichelt. Will er dann die Bilder des Lobers, der oft genug Mitarbeiter der Community ist, angucken, lernt er die Foto-Community richtig kennen. Für Geld kann er die Bilder anschauen, freie Mitgliedschaft heißt Beschränkung. Erst wenn eine Gebühr bezahlt wird, sind alle Funktionen nutzbar. Die Foto-Community muss ja auch von etwas leben. Server, Softwarebetreuung, Moderatoren, Mitarbeiter kosten Geld.

Das Leben als Fotoanfänger ist voller Fallstricke. Das Schnäppchen aus dem Elektronikmarkt will oft genug nicht so, wie der Fotograf will. Viele Knöpfe und Räder sind zu bedienen, viele Extra-Einstellungen in der Software stellen oft genug Rätsel dar.

Also in der Foto-Community nach Hilfe gefragt. Man hat ja schließlich dafür bezahlt.

Die beste Antwort, die der Anfänger bekommen kann, ist die, zuerst die Bedienungsanleitung zu lesen. Sollte man wirklich tun, am besten die Schritte gleich an der Kamera ausprobieren. Auf Werkseinstellungen zurückstellen, steht übrigens auch in der Bedienungsanleitung 😉

Wahrscheinlich sind die Antworten in der Foto-Community eher dieser Art: „Was willst du denn mit der Crop-Kamera?“, „Das Standardobjektiv-Supermakrozoom ist bekannt dafür, weiche Bilder zu produzieren“ oder „Gehe erst einmal zur Volkshochschule, dort wird dir geholfen“. Übrigens sind diese Anworten weltweit in Foto-Communities identisch, es gibt zwar Online-Gemeinschaften, da ist das anders. Das sind aber die Nadeln in Heuhaufen, man braucht sehr viel Glück sie zu finden.

Der Tipp mit der Volkshochschule ist nicht einmal so verkehrt. Wobei der Begriff Volkshochschule gegen Foto-Club zu tauschen wäre. Zwar gibt es auch hier Vereine, in denen die besten Vereinsfotografen niemals erkären, wie sie ein Bild gemacht und verarbeitet haben. Sie befürchten, nicht mehr die besten Vereinsfotografen zu sein, wenn sie ihre Geheimnisse verraten.

Dabei sind die Geheimnisse in der Regel nicht geheim. Es gibt im Netz gaaaaaaaaaaaaaaanz viele Seiten, auf denen alle Geheimnisse beim Fotografieren verraten werden. Gegen Gebühr natürlich, auf Youtube sind die Videos kostenlos, leider oft genug in Englisch.

Der Foto-Club

Der Fotoanfänger hat sich also für einen Foto-Club entschieden. Die meisten treffen sich einmal im Monat, manche auch zwei Mal.

Der erste Abend: Der Fotoanfänger stellt sich vor, setzt sich hin und staunt. Solche Fotos machen die hier?

Solche Fotos:

Cool, das will der Fotoanfänger auch. Beim dritten Besuch stellt er Fragen.

Der Fotoanfänger hatte Glück mit seinem Foto-Club, er hatte die Nadel im Heuhaufen gefunden.

Kommentare: